Der Herr der Ringe. Cover: Klett-Cotta/Hobbit Presse
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- von Harald Junker
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Es ist wohl der teuerste Deal der Seriengeschichte. Allein für die Ringe der Macht-Rechte zahlte Amazon den Tolkien-Erben die astronomische Summe von 250 Millionen Dollar. Doch welche Geschichten dürfen die Macher erzählen? Und vor allem: Welche dürfen sie nicht erzählen? Was nach Fragen für ein trockenes Juristenseminar klingt, ist in Wirklichkeit eine ziemlich spannende Sache.
Viele Halbwahrheiten über die Ringe der Macht Rechte
Im Internet und auf Youtube kursieren einige Halbwahrheiten über die Ringe der Macht Rechte. Die am weitesten verbreitete lautet: Amazon hat sich nur die Rechte an den Anhängen zum Herrn der Ringe gesichert. Das ist zum Glück nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich besitzt das Unternehmen von Jeff Bezos die Serienrechte an den Büchern Der Hobbit, Die Gefährten, Die zwei Türme und Die Rückkehr des Königs. Die Anhänge gehören zum dritten Buch Die Rückkehr des Königs (auch wenn der deutsche Verlag Klett-Cotta sie in den Paperback-Ausgaben weggelassen hat). Das ist schon ein deutlicher Unterschied, ändert aber nichts an dem ersten Eindruck, dass hier scheinbar nichts zusammenpasst. Denn Die Ringe der Macht erzählt nicht die Geschichte der Hobbits Bilbo und Frodo Beutlin und der Gefährten des Rings, sondern die des Zweiten Zeitalters von Mittelerde, das Jahrtausende vor der Handlung von Der Hobbit und Der Herr der Ringe endet.
Welche Quellen gibt es über das Zweite Zeitalter von Mittelerde?
Wir wissen viel über das Zweite Zeitalter, aber viel weniger als über das Erste und Dritte. Es gibt keinen Roman von J.R.R. Tolkien, der im Zweiten Zeitalter spielt, und keines der posthum von Tolkiens Sohn Christopher veröffentlichten Bücher behandelt ausschließlich diese Epoche. Immerhin beschreiben einzelne Kapitel der Bücher Das Silmarillion, Nachrichten aus Mittelerde und der zehnbändigen History of Middle-earth den für die Serie relevanten Zeitraum. Die Serienrechte an all diesen Büchern besitzt Amazon aber nicht.
Auch nicht an dem Buch Der Untergang von Númenor, das der Tolkien-Experte Brian Sibley herausgegeben hat. Es enthält in chronologischer Reihenfolge alle Texte Tolkiens zum Zweiten Zeitalter von Mittelerde, also der Handlungsepoche der Serie Die Ringe der Macht.
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Welche Quellen darf Amazon für Die Ringe der Macht verwenden?
Zunächst einmal die Anhänge von Der Herr der Ringe. Dort gibt es eine Zeittafel mit den wichtigsten Ereignissen des Zweiten Zeitalters, einen Text über die Insel Númenor und zahlreiche verstreute Hinweise. Aber auch im Romantext der drei Herr der Ringe-Bücher gibt es viele Beschreibungen, Erinnerungen und Gedichte. Die Drehbuchautoren dürfen alle dort erwähnten Personen, Orte und Ereignisse verwenden.
Wie sehr schränkt das die Serienmacher ein?
Sicherlich können nicht ganze Handlungsstränge aus den anderen Tolkien-Büchern übernommen werden. Aber Showrunner Patrick McKay sagt im Magazin Vanity Fair: „Es gibt eine Version von allem, was wir für das Zweite Zeitalter brauchen, in den Büchern, an denen wir die Rechte haben“. Und weiter: „Solange wir uns innerhalb dieser Grenzen bewegen und nicht gegen etwas verstoßen, wozu wir keine Rechte haben, gibt es viel Spielraum.
Der Tolkien Estate, die Vertretung der Erben, hat sich vertraglich ein Mitspracherecht zusichern lassen und dieses in mindestens einem Fall auch genutzt, um eine Abweichung vom Quellenmaterial zu genehmigen. Nämlich bei der Verdichtung der Zeitabläufe von mehreren Jahrtausenden auf wenige Jahre oder Jahrzehnte. Darüber hinaus kann der Tolkien Estate in Einzelfällen die Verwendung von Elementen aus den anderen Büchern genehmigen und hat dies wohl auch schon mehrfach getan.
Die Quellenlage
Im Vergleich zum gut dokumentierten Ersten Zeitalter ist die Quellenlage zum Zweiten Zeitalter eher dünn. Das wäre selbst dann ein Problem für die Serienmacher, wenn sie die Rechte an allen Büchern Tolkiens besäßen. So oder so müssten sie sich viele kreative Freiheiten nehmen, um die zahlreichen Lücken zu füllen, die Tolkien hinterlassen hat.
Eine wichtige Tatsache darf nicht vergessen werden, wenn es darum geht, zu beurteilen, ob sich die Macher der Serie an Tolkiens Lore halten (Tolkien hätte diesen Begriff nie verwendet, er betrachtete seine Texte als eine Sammlung von Mythen). Tolkien hat – abgesehen von seinen zu Lebzeiten veröffentlichten Büchern – keine in Stein gemeißelten Schriften hinterlassen. Aber unzählige Fragmente und Texte, die oft in verschiedenen Fassungen existieren und sich nicht selten erheblich widersprechen. J.R.R. Tolkien hat das Silmarillion und die folgenden Bücher nie vollendet. Sein Sohn Christopher hat aus der Fülle des Materials diejenigen Texte aus dem Nachlass seines Vaters ausgewählt, die am besten zusammenpassen.
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